Ambulanz in Berlin

Ambulanz in Kiel

Häufig gestellte Fragen

Was ist Pädophilie?

In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Pädophilie als Störung der Sexualpräferenz aufgeführt und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf vorpubertäre Kinder. Pädophile Personen fühlen sich also sexuell von Kindern angezogen und wünschen sich sozialen Umgang und Kontakt mit ihnen.

Was sind die Ursachen?

Pädophilie ist eine Störung, die in gleicher Weise durch biologische, psychologische und soziale Faktoren bestimmt ist. Welche dieser Faktoren zur Entstehung von Pädophilie genau zusammen kommen müssen, ist bisher nicht geklärt. Jeder Versuch, dieser Problematik auf nur einen dieser Faktoren zu reduzieren, greift zu kurz.

Zwischen den Begriffen Pädophilie, Pädosexualität und sexueller Kindesmissbrauch bestehen grundlegende Unterschiede:

Pädophilie ist eine sexualmedizinische Diagnose und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf vorpubertäre Kinder. Sie führt nicht zwangsläufig zu sexuellen Übergriffen auf Kinder. Der Begriff Pädophilie beschreibt also ausschliefllich eine sexuelle Neigung und nicht ein sexuelles Verhalten!

Pädosexualität ist die sexualmedizinische Bezeichnung für sexuelle Handlungen an Kindern und ist damit die terminologische Entsprechung für den strafrechtlichen Begriff sexueller Kindesmissbrauch. Der Begriff beschreibt also das Verhalten und (im Gegensatz zum Begriff Pädophilie) nicht sexuelle Vorlieben. Beide Begriffe stehen zwar miteinander in Beziehung, sind jedoch nicht identisch und können daher nicht synonym verwandt werden.

Wie wird eine Diagnose gestellt?

ïIm Zentrum des sexualdiagnostischen Prozesses steht die sogenannte sexualmedizinische Exploration, ein klinisches Interview, in dem sämtliche Aspekte des sexuellen Erlebens und Verhaltens erforscht werden. Die hierbei gesammelten Informationen können ergänzt werden, z.B. durch den Einsatz von sexualpsychologischen Fragebögen und Testverfahren (Psychodiagnostik).

Die Kriterien für die Diagnose einer Pädophilie, sind in den international anerkannten diagnostischen Leitfäden der Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD-10) und der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung APA (DSM-IV-TR) festgelegt. Das wichtigste Kriterium ist hierbei die sexuelle Erregbarkeit einer erwachsenen Person durch den Körper eines vorpubertären Kindes.

Bei der Untersuchung einer sexuellen Präferenzstruktur (also der sexuellen Vorlieben eines Menschen) ist vor allem wichtig, auch das Fantasieerleben mit einzubeziehen: Welche Fantasien beflügeln die sexuelle Erregung? Eine fachkompetente Diagnostik und Behandlung der Pädophilie erfordert eine spezielle, sexualmedizinische Qualifikation.

Begehen alle pädophilen Menschen auch sexuellen Kindesmissbrauch?

Nein.

Sind alle sexuellen Kindesmissbrauchstäter auch pädophil?

Nein. Es muss unterschieden werden zwischen Tätern, die pädophil sind und Tätern, die sexuell auf Erwachsene ausgerichtet sind, aber "ersatzweise" auf Kinder ausweichen. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen, u.a. Schwierigkeiten, zu Erwachsenen eine sexuelle Beziehung aufzubauen, was dann zum Übergriff auf Kinder führen kann. Der Anteil pädophil orientierter Täter am sexuellen Missbrauch von Kindern ist schon alleine deshalb schwer abzuschätzen, weil nur die Spitze des Eisberges sichtbar wird: Die meisten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, und damit auch die meisten Täter, bleiben im Dunkelfeld. Verschiedenen Studien zufolge liegt die Quote pädophiler Männer unter denjenigen, die wegen eines sexuellen Missbrauchsdelikts an einem Kind verurteilt wurden, bei über 40%.

Wie viele Pädophile gibt es? Wie viele davon sind Frauen?

Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler Menschen in der Bevölkerung ist, gibt es bisher nicht. Schätzungen basierend auf den Ergebnissen verschiedener Forschergruppen gehen von ca. 1% pädophil orientierter Männer aus, bzw. von 2-4% Männern mit pädophilen Interessen. Ausgehend von den für 2005 ermittelten ca. 30 Millionen Männern zwischen 18 und 75 Jahren wären das in Deutschland ca. 300 000 pädophil orientierte Männer, bzw. 600.000 - 1.200.000 Männer mit pädophilen Interessen.

Der Anteil der Frauen scheint nach bisherigem Kenntnisstand verschwindend gering zu sein. So haben sich z.B. im Rahmen des Präventionsprojektes Dunkelfeld an der Berliner Charité bisher nur zwei Frauen gemeldet; lediglich bei einer konnte tatsächlich eine Pädophilie diagnostiziert werden. Auch in der Forschungsliteratur werden nur wenige Einzelfälle pädophiler Frauen beschrieben.

Wird die therapeutische Schweigepflicht auch eingehalten, wenn ein sexueller Missbrauch durch die Patienten begangen wurde?

Die Therapeuten unterliegen der therapeutischen Schweigepflicht bezüglich aller in der Vergangenheit liegenden Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, die ihnen im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit bekannt werden. Die Verletzung dieser Schweigepflicht ist strafbar. Zudem wäre durch eine derartige Verletzung der Schweigepflicht der präventive Ansatz von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie? Was ist ein Erfolg?

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung ist Pädophilie weder heilbar, noch ist bekannt, welche Ursachen ihr zugrunde liegen. Das einzig realistische Therapieziel ist daher, einen verantwortungsvollen Umgang mit der pädophilen Neigung zu erreichen. Dies bedeutet keinen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen, weder direkt, noch durch den Konsum von Kinderpornografie. Wird dieses Ziel erreicht und ist dies zudem auf die Therapie zurückzuführen, kann von einer erfolgreichen Therapie gesprochen werden.

Was ist Ziel der Therapie?

Ziel der Therapie ist es unter anderem zu lernen, das eigene Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt. Wenn die Intensität der sexuellen Impulse allerdings zu hoch ist, um alleine durch "Willenskraft" das Verhalten zu kontrollieren, besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Durch diese Medikamente können die sexuellen Impulse gedämpft werden.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie?

Auf Seiten der Patienten vor allem der entschiedene Wille, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder zu begehen sowie die Bereitschaft, für die Dauer der Therapie (ca. ein Jahr) regelmäßig an den wöchentlichen Therapiesitzungen aktiv teilzunehmen.

Wie funktioniert die Therapie?

Die Therapie folgt einem sogenannten "multimodalen" Ansatz, indem Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, der Sexualtherapie und einer medikamentösen Therapie zusammengeführt werden.

Die therapeutischen Teilziele orientieren sich an den sogenannten "skills" (Fertigkeiten), die in der Forschung als entscheidend für die Kontrolle sexueller Impulse identifiziert wurden. Die einzelnen Schwerpunkte zeigen sich in den Modulen eines strukturierten Therapieplans:

• Vermittlung eines individuellen Störungsbildes und Entstehungshintergrundes

• Erhöhung der Akzeptanz der Störung über Übungen zur Selbstbeobachtung und Selbsterfahrung

• Training der Konfliktfähigkeit zum Abbau von Aggression und Selbstunsicherheit

• Training der Kommunikationsfertigkeit ggf. unter Einbeziehung der Partnerin zur Erhöhung partnerschaftlicher Zufriedenheit

• Wissensvermittlung zur Reduktion von Fehlannahmen bezüglich Sexualität und sexueller Reife von Kindern

• Einstellungsänderung hinsichtlich Sexualität und eigener Präferenz

• Medikamenteneinnahme zur unterstützenden Impulsreduktion

• therapeutische Rollenspiele und Rollenwechsel zur Schulung der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme

• Training zur Selbst- und Fremdwahrnehmung (Gefühl, Gedanke und Verhalten)

• therapeutische Rollenspiele und Modellbildung zur Schulung der Empathiefähigkeit

• Erhöhung der Frustrationstoleranz

• Entwicklung alternativer Verhaltenstrategien

• Einüben alternativer Verhaltensstrategien zur Erhöhung der Selbstwirksamkeit

• Aufbau eines unterstützenden Netzwerkes

Wie lange dauert die Therapie?

Die angebotene ambulante Therapie erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. einem Jahr, mit ca. 45 wöchentlich stattfindenden Therapiesitzungen. Hierbei dauert eine Sitzung im Gruppentherapieverfahren drei Stunden, im Einzeltherapieverfahren eine Stunde.

Wird die Therapie von den Krankenkassen übernommen?

Nein. Die Krankenkassen beteiligen sich nicht an den Kosten der Behandlung, obwohl dies aus sexualmedizinischer Sicht unbedingt notwendig wäre: Mit der Diagnose steht die Behandlungsnotwendigkeit fest. Es muss daher ein Ziel bleiben, die präventive Behandlung sexueller Präferenzstörungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen.